Das Wiener Startup base.energy will Balkone zum Erzeugen von Strom nutzen. Mit einem neuartigen Solarmodul ermöglichen sie damit auch Mietern, sich ein Stück weit vom Stromnetz unabhängig zu machen.

Strom zum Selbermachen auch in der Stadt

Bisher waren Solaranlagen den Besitzern von Einfamilienhäusern vorenthalten. Ein eigenes Dach und größere Geldbeträge waren die Voraussetzung zur Teilnahme an der Energiewende. Mit einzelnen Solarmodulen für Balkone und Terrassen wendet sich base.energy nun auch an Mieter von Wohnungen.

Solarmodul für die Wohnung

Die Solarmodule in Leichtbauweise werden mit wenigen Handgriffen auf einen Balkon gehängt oder in einer Wiese aufgestellt. Das „SolApe“ getaufte Solarmodul wandelt Sonnenlicht in Strom für herkömmliche Elektrogeräte um.

Mit einer Leistung von max. 200 Watt erzeugt SolApe genug Strom zum Kühlen von 6 Flaschen Bier, für 9 Stunden auf einer Spielkonsole oder zum Toasten von 80 Scheiben Brot.

Zuhause speist SolApe den erzeugten Strom in das Hausnetz ein um den Stromzähler abzubremsen und Energiekosten zu sparen. In einem durchschnittlichen Haushalt lassen sich die Stromkosten mit einem SolApe um bis zu 7% senken.

Sollte am Balkon keine Steckdose zum Einspeisen vorhanden sein, bietet base.energy ein speziell entwickeltes Flachkabel an, um die Leitungen von Solarmodulen ohne Werkzeug oder Bohren sicher durch geschlossene Fenster und Türen zu verlegen.

Unabhängige Stromversorgung

Im Unterschied zu bisher erhältlichen Geräten funktioniert SolApe auch ohne Stromnetz, z.b. unterwegs beim Camping oder Parties im Grünen. Dazu bietet man mehrere Stecker an, um Handys, Laptops, Camping-Geräte mit Zigarettenanzünder oder herkömmliche Haushaltsgeräte direkt am Solarmodul anzuschließen.

Über Kabelklemmen werden herkömmliche 12V Batterien angeschlossen, um den Solarstrom auch nachts nutzen zu können. Damit lassen sich im Fall des Falles auch Autobatterien wieder aufladen.

Herkömmliche Plug and Play Solarmodule funktionieren ohne Stromnetz nicht. Bei Stromausfall sind diese daher nutzlos. Mit SolApe gibt es erstmals eine leistbare unabhängige Stromversorgung, die auch Nicht-Techniker bedienen können.

Riesenmarkt

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich wohnt fast die Hälfte der Menschen zur Miete. Bisher habe sich niemand ernsthaft um eine unabhängige Stromversorgung für Mieter gekümmert.

Wir wollen den Menschen helfen, sich schnell und einfach mit Solarstrom zu versorgen.

Niederkircher glaubt an das große Potential seiner Entwicklungen. Der Gründer ist auch kein Unbekannter. Sein steckfertiges Solarmodul namens „Simon“ wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und hat zu einem Abbau von bürokratischen Hürden für Balkonmodule bei Netzbetreibern beigetragen.

Bürokratische Hürden bremsen Balkonmodule

Solarstrom sei bei den Menschen die mit Abstand beliebteste Form der Energieerzeugung. Rechtliche Bedenken schrecken aber immer noch viele von Balkonmodulen ab, gibt Niederkircher zu Bedenken.  Auch wenn der rasche Ausbau von Erneuerbaren Energien in zahlreichen gesellschaftlichen Zielen verankert ist, kann das Aufhängen eines einzelnen Solarmoduls am Balkon zu Konflikten mit Wohnungseigentümern oder Behörden führen. Das äußere Erscheinungsbild eines Mehrfamilienhauses dürfe durch einzelne Bewohner nicht verunstaltet werden. In manchen Mietverträgen sei die Gestaltung der Balkonflächen ausdrücklich verboten.

Auch die Normung wisse noch nicht so recht, wie sie mit den neuen Entwicklungen umgehen soll. Dass man Solarmodule an herkömmliche Steckdosen anschließen kann wurde bisher nicht berücksichtigt.

Sicherheit ist ein extrem wichtiges Thema. Manche Vorgaben der Normung sind jedoch absolut lebensfremd und berücksichtigen nicht die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet.

Pilotprojekt in München

In einer gemeinsamen Kampagne thematisieren base.energy und der Münchner Verein Green City die Rahmenbedingungen für Balkonmodule. Das von der EU geförderte Vorhaben soll das Stimmungsbild der Münchnerinnen und Münchner abfragen. Wie finden die Menschen Solarmodule, die plötzlich nicht mehr auf Dächern versteckt sind, sondern in den sichtbaren Bereich auf Balkonen und Terrassen wandern?

Solarstrom im Gemeindebau

Verfügbarkeit offen

Noch ist unklar, wann Niederkircher und sein Team die neueste Generation ihres Balkonmoduls auf den Markt bringen werden. „Wir prüfen derzeit, welche europäischen Städte sich für eine Markteinführung eignen“, bleibt Niederkircher noch vage. Interessierte können sich in eine Mailingliste eintragen, um über den Stand der Entwicklungen auf dem Laufenden zu bleiben.